Trinkgält i de Schwiiz: Wievil isch hüt agmässe?

Wenn mer i de Schwiiz i s Restaurant gaht, en Kafi trinkt oder sich d Haare schniide lat, chunnt früener oder spöter de Moment vom Zahle. Und genau dänn froget sich vili – egal öb Touriste oder Iiheimischi – was eigentlich aabrach isch. S Thema Trinkgält isch i de Schwiiz nämlich chli verzwickt. Es git kei strikti Verpflichtig, wie mer s villicht us den USA kennt, wo d Kellner fast nur vom Trinkgält läbed. Aber eifach gar nüt gäh giltet i de meiste Fäll als knauserig oder sogar unhöflich, bsunders wänn de Service guet gsi isch. D Schwiizer Kultur isch da sehr pragmatisch: Mer rundet meistens uf, aber d Höchi hanget starch vo de Situation, em Ort und de Qualität vo de Dienstleistig ab. I dem Artikel lueged mer ganz genau a, wievil „Batzeli“ i wele Situatione erwartet werdet und wie mer das am elegantiste macht, ohni is Fettnäpfli z trätte.

D Grundlag: Isch de Service nöd scho inbegriffe?

Das isch di hüfigsti Frag und d Antwort isch eimal grundsätzlich: Ja. I de Schwiiz giltet sit de 1970er Jahre s Gsetz, dass de Service im Priis inbegriffe si mues («Service compris»). Das heisst, wänn uf de Charte staht, dass s Schnitzel 38 Franke chostet, dänn sind d Chöste für s Personal, d Mehrwertstür und alles drum und dra scho i däne 38 Franke drin. D Aagstellte i de Gastronomie und im Dienstleistigsgwerb händ i de Regel festi Löhn und sind nöd zwingend uf s Trinkgält aagwise, um über d Runde z cho.

Trotzdem hät sich s Trinkgält als e Art soziali Norm ghalte. Es isch e Form vo de Wertschiätzig. Wänn öpper s Gfühl hät, er seg guet bedient worde, dänn git er öpperem e chliini Extrawurscht. Wer i de Schwiiz exakt uf de Rappä genau zahlt und sich s Restgält bis uf de letscht Füf-Räppler usegäh lat, wirkt schnell chli pingelig oder unzfride. Es gaht also weniger um d Existenzsicherig vom Personal, sondern meh um en netti Geste und e Belohnig für e gueti Leistig.

Im Restaurant und Café: Die gschribe und ungschribe Regle

D Gastronomie isch sicher de Ort, wo s Thema am hüfigste ufchunnt. Aber es macht en Unterschied, öb mer nur schnell en Espresso am Tresen trinkt oder es 5-Gäng-Menü am Abig gnüsst.

Kafi, Bar und chliini Beträg

Wänn Sie imene Café sitzed und d Rechnig macht zum Biispiel 4.50 Franke für en Cappuccino, dänn isch es i de Schwiiz üblich, eifach uf 5 Franke ufzrunde. Mer seit dänn bim Zahle eifach «Mached Sie 5» oder lat s Föiflieber-Stück ligge. Bi Beträg under 10 Franke isch es sälte, dass mer prozentual rechnet. Mer rundet eifach ufs nächsthöchere Ganze oder uf de nächsti Füf-Franke-Schritt, wänn de Betrag nöch dra isch.

I de Bars funktioniert das ähnlich. Wänn es Bier 7 oder 8 Franke chostet, git mer em Barkeeper oft eifach d Note und seit «Es isch guet so» oder lat s Retourgält imene Gläsli. Wer a de Bar jede Rappe zruggverlangt, macht sich nöd grad beliebt, bsunders wänn viel los isch.

Zmittag und s klassische Znacht

Bim Ässe im Restaurant werded d Beträg höcher und d Regle chli suberer definiert. Als Duume-Regle cha mer säge: Trinkgält i de Schwiiz bewegt sich meistens zwüschet 5 bis 10 Prozent, wobii mer oft eifach uf en runde Betrag ufe gaht.

  • Bi öppe 50 Franke: Wänn d Rechnig 47.50 macht, rundet mer meistens uf 50 Franke uf. Das sind öppe 5%, was völlig okay isch für en normale Service.
  • Bi öppe 100 Franke: Bi ere Rechnig vo 92 Franke würd mer normalerwiis 100 Franke gäh. Das isch ebe wieder die bequem Lösig mit em eine «Note-Schritt».
  • Bi tüürere Ässe: Wänn d Rechnig mal 200 Franke oder meh isch, dänn wirkt eifach nur ufruden uf de nächsti Franke (z.B. 202 Franke gäh bi 201.50) chli mickrig. Da sött mer scho luege, dass mer öppe bi däne 5 bis 10% landet. Bi 200 Franke Konsumation sind also 10 bis 20 Franke Trinkgält aagmässe, wänn alles passt hät.

Wichtig isch au z wüsse: Wänn de Service ussergwöhnlich guet gsi isch, dänn darf mer gern au meh gäh. Wänn de Kellner oder d Kellnerin aber unfreündlich gsi isch oder s Ässe e Ewigkeit bruucht hät, dänn isch es i de Schwiiz absolut legitim, gar kei Trinkgält z gäh oder nur ganz minimal ufzrunde. Mer mues sich da nöd schlächt fühle.

Hotellerie: Wer bechunt was?

Im Hotel isch d Situation chli andersch, wil mer oft mit verschidene Lüt z tue hät, wo mer nöd immer direkt bim Uuschecke gseht. Do hät sich s Bargält immer no am beschte bewährt.

Zimmermaitli / Housekeeping: Das isch oft de härtesti Job im Hotel. Es isch e sehr netti Geste, wänn mer pro Tag öppe 2 bis 5 Franke ufem Chüssi oder em Nachtwischli laat ligge. Wänn mer erst am Schluss vom Ufenthalt alles uf eimal git, chan es sii, dass d Person, wo am meiste putzt hät, gar nüt devo gseht, will Schichtwächsel gsi isch. Drum: Lieber jede Tag e chli Münz hiilege.

Koffereträger / Portier: I tüürere Hotels, wo eim de Koffer ufs Zimmer treit wird, isch es üblich, pro Gepäckstück öppe 2 bis 5 Franke z gäh. Das passiert direkt bim Übergeh vom Gepäck im Zimmer.

Concierge: Wänn de Concierge eim nur de Wäg zum Bahnhof erklärt, bruuchts nüt. Hät er aber di unmöglichi Reservation imene usgebuechte Restaurant organisiert oder Theatercharte bsorget, dänn isch es Trinkgält vo 10 bis 20 Franke (oder bi sehr ufwendige Sache au meh) durchaus aagbracht.

Taxi und Fahrdienstleistige

Bi Taxifahrte i de Schwiiz isch s Trinkgält ähnlich greglet wie im Restaurant. Es gaht primär ums Ufrunde. Wänn d Fahrt 23 Franke chostet, git mer 25. Wänn sie 46 chostet, git mer 50. Au da giltet: Wänn de Fahrer hülft, de schwere Koffer i s Auto z lüpfe oder bsunders schnell und sicher gfahre isch, dänn darf s Trinkgält au chli grosszügiger sii.

Bi Apps wie Uber isch s Trinkgält ja meistens nahdisnah über d App möglich. Da hät sich i de Schwiiz no kei so festi Norm etabliert, aber vili länd sich vo de Vorschläg i de App leite (meistens 10-15%), was für Schwiizer Verhältnis eher a de obere Gränze isch, aber sicher gern gseh wird.

Coiffeur, Kosmetik und Wellness

Interessanterwiis isch de Coiffeur oder d Kosmetikerin en Ort, wo Trinkgält i de Schwiiz fast no wichtiger gnoh wird als im Restaurant. Das lit dra, dass mer da e persönlichi Beziehig ufbaut und d Dienstleistig direkt am Körper stattfindet. Wer zfride isch mit de Frisur, git i de Regel gueti 10% Trinkgält.

Vili Coiffeur-Gschäft händ a de Kasse so chliini «Kässeli» oder Sparschwein für jedi Mitarbeiterin und jede Mitarbeiter. Det cha mer dänn s Münz oder e Note driirüere. Wänn mer mit Charte zahlt, sött mer vorhär fröge, öb mer s Trinkgält cha drufbuche oder öb si s lieber bar händ. Oft isch Bargält für d Aagstellte besser, wil si s dänn sofort und direkt händ.

Lieferdienst: Pizza und Poschte

Wänn de Pizzateig bis i de füfti Stock ohni Lift treit wird, dänn hät de Kurier e Belohnig verdient. Au wänn d Lieferig oft scho e Gebühr chostet, git mer em Kurier a de Tür meistens no eifach öppe 2 bis 5 Franke i d Hand. Das giltet au für Läbe wie Galaxus oder Supermärkt, wo schwäri Ware liiferet. En «Föiflieber» für s Schleppe vo de Wöschmaschine oder de Getränkeharrasse isch i de Schwiiz e Geste vo Aastand.

FAQ: Hüfigi Frage zum Trinkgält i de Schwiiz

Darf mer i de Schwiiz mit Euro Trinkgält gäh?
Jein. I Touristegebiet oder a grosse Bahnhöf nämeds sicher au Euro a. Aber Münz (Euro-Cents und 1-2 Euro-Stück) sind unbeliebt, will mer die i de Schwiiz uf de Bank nöd oder nur mit Gebühre cha iiwächsle. Wänn scho Euro, dänn Schiine. Aber am allerbeste und höflichste isch es immer i Schwiizer Franke.

Wie funktioniert s Trinkgält bi Chartezahlig?
Hützutags chömed d Zahligsterminals fast immer mit ere Option. De Kellner git de Betrag ii und zeigt s Grät, wo dänn staht «Trinkgeld eingeben?». Da cha mer dänn entweder e Prozentzahl oder en Betrag aatippe. Mängisch fröget d Kellner au direkt «Welle Betrag dörf i iigäh?». Sägäd Sie dänn eifach s Total inklusiv Trinkgält. Bispil: Rechnig isch 85, Sie wänd 5 Franke gäh, dänn säged Sie: «Macheds grad 90».

Isch es unhöflich, s Restgält z verlange und dänn s Trinkgält separat z gäh?
Nei, überhaupt nöd. Das isch sogar sehr verbreitet. Mer zahlt d Rechnig, lat sich s Wechselgält geh und lat dänn s Trinkgält uf em Tisch oder im Rechnigsbüechli zrugg. Das hät de Vorteil, dass mer sicher isch, dass de Kellner s Gält au gseht und selber iistecke chan.

Muess i Trinkgält gäh, wänn de Chef selber bedient?
Früener hät mer gseit: «De Wirt nimmt keis Trinkgält». Das isch hüt nüme so streng. Au en Gschäftsinhaber freut sich über d Wertschiätzig. Es isch nöd falsch, em Chef es Trinkgält z gäh, aber d Erwartigshaltig isch villicht es bitzeli gringer als bi de Aagstellte.

Spezialfäll: Stammgäscht und Wiehnachte

Es git Situatione, wo s Trinkgält über di normale 10% usgaht. Das betrifft vor allem Lüt, wo ihri «Stammbeize» oder ihren «Stammcoiffeur» händ. Wer regelmässig am gliche Ort isch, baut e Beziehig uf. Da wird erwartet, dass mer nöd jede Rappe umdreiht. Als Stammgast wird mer oft bevorzugt behandlet (me bechunt de bescht Tisch oder mal en Grappa ufs Huus), und im Gegenzug zeigt mer sich bim Trinkgält generös.

En ganz spezielle Schwiizer Bruuch isch de «Nöijoorsbatze» oder s Wiehnachtstrinkgält. Das isch für Lüüt dänkt, wo s ganze Jahr für eim da sind, aber nöd direkt pro Leistig zahlt werdet. Bispil sind de Pöstler (obwohl das hüt wege de viele wächselnde Pöstler schwieriger worde isch) oder d Huuswartig und d Raumpflegerin im Büro. Hie git mer gäge Ändi Jahr oft en Umschlag mit ere Note (20, 50 oder sogar 100 Franke, je nach Beziehig), um Danke z säge für s vergangen Jahr. Das isch weniger es klassisches Trinkgält, sondern eher e Art Gschänk für di gueti Zämenarbet und s guete Mitenand, wo i de Schwiizer Kultur e höche Stellewert hät.