Jede kennt s, jede hät s scho mal ghört und i diverse Hollywood-Filme gseh: De dramatisch Moment, wänn en Funker ufeme sinkende Schiff wild uf sini Taschte haut und de Morsecode dur de Äther jagt. Drü mal churz, drü mal lang, drü mal churz. S berühmte SOS-Signal isch wältwiit bekannt und gilt als s ultimative Zeiche für «Hilfe, mir sind in Lebensgfahr». Di meischte Lüüt sind sich au zimli sicher, was die Abchürzig bedüütet. «Save Our Souls» (Rettet oisi Seele) oder vielleicht «Save Our Ship» (Rettet oises Schiff) sind die gängigschte Antworte, wo mer überchunnt, wänn mer uf de Strass nahfrögt. Aber genau da fangt s Missverständnis a. Die Interpretatione sind zwar poetisch und passet perfekt zu de Dramatik vo ere Schiffskatastrophe, aber historisch und technisch gseh sind si schlichtweg falsch. D Gschicht hinderem SOS isch vill pragmatischer, technischer und gliichziitig faszinierender, als es die meischte Legende vermuete lönd. Um z verstah, warum mir hüt überhaupt SOS säged und werum das s internationale Zeiche worde isch, müend mir e chlini Ziitreis zrugg i d Pionierziit vo de Funktechnik mache.
D Aafäng vo de drahtlose Telegraphie
Bevor mir s Gheimnis um d Bedüütig lüftet, lohnt es sich, d Situation uf de Weltmeer um d Jahrhundertwendi zum 20. Jahrhundert aazluege. Bevor de Guglielmo Marconi d Funktechnik salonfähig gmacht hät, sind Schiff, wo de Hafe verlah händ, komplett isoliert gsi. Wänn es Unglück passiert isch, hät mer höchschiens Liechtsignal oder Leuchtrakete chönne iisetze, was aber nur funktioniert hät, wänn es anders Schiff i Sichtwiiti gsi isch. Mit de Erfindig vo de Funktelegraphie hät sich das schlagartig gänderet. Plötzlich hät mer über hunderti vo Kilometer chönne kommuniziere.
Das Problem isch aber gsi, dass es am Anfang kein internationale Standard geh hät. Es hät verschideni Firme geh, wo Funkgrät hergstellt händ, vor allem d Marconi Company us England und Telefunken us Dütschland. D Marconi-Funker händ mängisch sogar d Kommunikation mit Schiff verweigeret, wo Telefunken-Grät a Bord gha händ. Das isch natürlich en unhaltbare Zuestand gsi, bsunders wänn es um Mönschelebe gange isch. D Notwendigkeit für en einheitliche Standard isch immer dringender worde.
D Berliner Funkkonferenz vo 1906
Im Jahr 1906 sind Verträter vo 29 Natione z Berlin zämecho, um d «Internationale Radiotelegraphie-Konferenz» abzhalte. S Ziel isch gsi, d Kommunikation uf See z regle und endlich e gmeinsami Sprach z finde. Bis zu däm Ziitpunkt händ verschiedeni Natione und Funkgsellschafte unterschiedliche Notruef bruucht. D Marconi-Lüüt händ s Signal CQD bevorzugt, während anderi Länder wieder eigeni Codes gha händ.
D Dütsche händ i däre Konferenz en Vorschlag igbracht, wo si scho i ihrere Marine als «Notzeichen» (Notzeiche) etabliert gha händ. Das Signal isch e sehr eifachi und iigängigi Folg vo Pünkt und Strich gsi: . . . — — — . . . (drü Pünkt, drü Strich, drü Pünkt). Und genau das isch de entscheidendi Moment gsi. D Konferenz hät sich schlussendlich uf das Signal geiniget, und es isch per 1. Juli 1908 als weltwiite Standard iigfüehrt worde.
De Mythos: Save Our Souls oder Save Our Ship?
Jetzt chömed mir zum Chern vom Mythos. Werum glaubt fast di ganzi Wält, dass SOS «Save Our Souls» heisst? Das isch es klassischs Biispiel für es sogenannts «Backronym». Das bedüütet, dass d Lüüt im Nachhinein e passendi Bedüütung für e Abchürzig gsuecht händ, will s Signal sälber so abstrakt gwirkt hät.
I de Realität hät s Signal gar kei inhaltlichi Bedüütig. Es isch nöd als Abchürzig für drü Wörter dänkt gsi. D Entscheidig für d Folg «churz-lang-churz» hät rein technischi und rhythmischi Gründ gha:
- Eifachheit: Drü Pünkt (S) und drü Strich (O) sind im Morsecode die eifachschte und am schnellschte z sendende Zeiche.
- Unverwechselbarkeit: D Kombination . . . — — — . . . isch so prägnant und hebt sich so starch vom normale Funkverkehr ab, dass mer si au bi schlächtem Empfang oder vill Störgrüsch sofort useghört.
- Durchgängigkeit: Im Gegesatz zu gschribene Buechstabe, wo Pausen dezwüsched händ, isch s SOS-Signal eigentlich als ei einzigs, zämehängends Zeiche definiert worde. Streng gno müssti mer es also mit eme Balken obedrüber schriibe, um z zeige, dass es eis Symbol isch.
D Interpretatione wie «Save Our Souls», «Save Our Ship» oder s selteneri «Send Out Succour» (Schicket Hilf) sind ersch später als Eselsbrugg entstande, um sich de Code besser merke z chönne.
CQD und de Untergang vo de Titanic
Obwohl s SOS-Zeiche offiziell scho 1908 iigfüehrt worden isch, hät es sich nöd sofort überall duregsetzt. Bsunders di britischi Marconi-Gsellschaft und ihri Funker händ lang am alte Signal CQD feschtghebet. CQD isch abgleitet gsi vom allgemeine Aruef «CQ» (phonetisch für s französische «sécurité» oder s englische «seek you»), gfolgt vom D für «Distress» (Notfall). Kritiker händ damals scherzhaft gseit, CQD bedüüti «Come Quick, Danger» (Chömed schnell, Gfahr), was natürlich au wieder nur e Eselsbrugg gsi isch.
S berühmtischte Biispiel für de Übergang vo CQD zu SOS isch de Untergang vo de Titanic im Jahr 1912. Di beide Funker, de Jack Phillips und de Harold Bride, händ zerscht immer wieder CQD gsendet, wiil si das gwöhnt gsi sind. Später hät de Bride zum Phillips gseit, er söll doch mal s neue SOS probiere, es chönnti ja s letschte Mal sii, dass er d Glegeheit dezue het. D Titanic hät schlussendlich beidi Signal gsendet. D Tragödie vo de Titanic hät massgeblich dezue biitreit, dass s SOS danach als alleinige und absolute Standard akzeptiert worden isch, will d Öffentlichkeit dur d Bricht erstattig starch druf sensibilisiert worden isch.
Technischi Details: Warum s Morse-Signal so genial isch
Für Laien tönt Morsecode eifach nur nach Gepiipe. Aber Profis wüssed, dass de Rhythmus entscheidend isch. Bim SOS isch das bsunders wichtig. Während mer im normale Text zwüsched de Buechstabe e Pause vo drü Zeichelängene macht, wird s SOS oft ohni die interne Pause als ei Melodie gsendet. Das macht de Klang so iidringlich.
En wiitere Vorteil isch, dass das Signal au vo Lütte hät chönne gsendet werde, wo de Morsecode gar nöd perfekt beherrscht händ. I Panik-Situatione muess en Ablauf eifach sii. Drü mal drufhaue, chli länger drufblibe, wieder drü mal churz – das schafft jede, au wänn s Wasser scho i de Funkruum lauft.
S Ändi vom Morsecode und d Ablösig dur GMDSS
Über Jahrzehnte isch s Morse-SOS de Goldstandard uf See gsi. Aber d Technik isch nöd stah blibe. Mit de Iifüehrig vo Satellitetelefon und automatische Identifikationssystem hät de Morsecode a Bedüütig verlore. Sitem 1. Februar 1999 isch s Morse als offiziells Seenotsignal abgschafft und dur s moderni GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) ersetzt worde. Hüt druckt mer ufeme Schiff im Notfall meistens nur no en rote Chnopf, und s Grät sendet automatisch d Position und d Kennig vom Schiff über Satellit a d Rettigsstelle.
Trotzdem blibt s SOS im kulturelle Gedächtnis und wird au hüt no verstande. Wänn öpper mit ere Taschelampe in d Nacht blinkt, dänn isch s SOS immer no s sicherste Mittel, um uf sich ufmerksam z mache.
FAQ – Hüfig gstellti Frage zum SOS
Bedüütet SOS würkli nöd «Save Our Souls»?
Nei, definitiv nöd. Das isch e Legende. SOS isch usgwählt worde, will d Morsefolg . . . — — — . . . extrem markant und eifach z funke isch. Es isch e reini Zuefallskombination vo Buechstabe ohni semantischi Bedüütig.
Giltet SOS hüt no als offiziells Notsignal?
Im professionelle Seefunk (GMDSS) isch de Morsecode sit 1999 nöd meh vorgeschriebe. Aber als visuelles Signal (z.B. mit Liecht oder Spiegel) oder als Klopfsignal isch es nach wie vor international anerkannt und wird vo Rettigschräft verstande.
Was isch de Unterschied zwüsched SOS und Mayday?
SOS isch es Morse-Signal (Telegraphie). Mayday isch s Notsignal für de Sprachfunk (Telefonie). «Mayday» chunt vom französische «m’aidez» (hälfed mir). Wänn mer also es Funkgrät mit Mikrofon hät, rüeft mer «Mayday», wänn mer e Morsetaschte hät, funkt mer SOS.
Hät d Titanic als erschts Schiff SOS gfunkt?
Nei, das isch en wiitere Mythos. Es hät scho vorher Schiff geh, wo s SOS bruucht händ, zum Biispiel de Dampfer «Slavonia» im Jahr 1909 oder d «Arapahoe» im gliiche Jahr. Aber d Titanic isch sicher de bekanntischti Fall, wo s Signal populär gmacht hät.
Wie schnell muess mer s SOS sende?
D Gschwindigkeit isch im Notfall sekundär. Wichtig isch de Rhythmus: churz-churz-churz, lang-lang-lang, churz-churz-churz. D «lange» Tön söllet öppe drümal so lang sii wie die «churze».
S alpine Notsignal i de Schwiizer Berge
Währed s SOS uf See sin Ursprung hät, isch es für ois i de Schwiiz vor allem i de Berge relevant. Wer i de Alpe i Not graatet und kei Handyempfang hät (oder de Akku leer isch), chan s optische oder akustische SOS nutze, um d Rega oder anderi Berggänger z alarmiere. Interessanterwiis git es i de Berge no e wiiteri Variante: S sogenannte Alpine Notsignal.
Bim Alpine Notsignal git mer sächs Zeiche pro Minute ab (also alli 10 Sekunde eis Signal), dänn macht mer ei Minute Pause, und dänn widerholt mer das Ganze. D Antwort vo de Retter wär dänn drü Zeiche pro Minute. Aber egal öb mer jetzt s klassische SOS morst (mit de Lampe oder de Pfeife) oder s Alpine Notsignal aawendet – s Wichtigschte isch, dass mer sich bemerkbar macht. S Wüsse um die alte Zeiche chan im Ernstfall immer no Läbe rette, au i oisere hochtechnisierte Wält.
