Rätsel glöst: Das isch di ältischti Spraach vo de Wält

S git wohl chuum e Frag, wo d Mönschheit scho so lang beschäftigt wie d Suechi nach de allererschte Wort. Stell der vor, mir chönnted i d Ziit zruggreise, zu de erste Homo Sapiens, wo amene Lagerfüür sitzed. Was händs gseit? Händs scho grammaatischi Strukture gha oder sind s nur Tierluut gsi? Wüsseschaftler, Historiker und Linguischte zerbrächend sich sit Jahrhundert d Chöpf drüber, welli Sprach wohl „d Mueter vo allne Sprache“ isch. Es isch e faszinierendi Reis dur d Gschicht, vo antike Experimänt über verstaubti Steitafele bis hi zu modernster Genetik, wo eus hüt neui Antworte lieferet. Doch d Antwort isch komplizierter, als mer meint, und si fangt demit a, dass mir zerst emal mues verstah, was „alt“ i dem Zämehang überhaupt bedüütet.

De Unterschied zwüsched gschribe und gredt

Bevor mir eus uf d Suechi nach em spezifische Name vo de Sprach mached, mues me e ganz wichtigi Unterscheidig treffe. Wenn mir vo de „ältischte Sprach“ reded, meined mir dänn die, wo mir schriftlichi Bewiis defür händ, oder die, wo am längschte ununterbroche gredt wird? Das sind nämlich zwei völlig verschiedeni Paar Schue.

D Mönschheit redt nämli scho sit öppe 50’000 bis 150’000 Jahre. D Schrift higege isch e relativ neui Erfindig, wo erst vor öppe 5’000 bis 6’000 Jahre uftaucht isch. Das heisst, de allergrössti Teil vo de menschliche Sprachgschicht isch im Dunkle verborge, will s eifach keis Tonbandgrät und kei Notizbüecher gäh hät. Wüsseschaftler müend drum Detektivarbet leischte und versueche, us de hütige Sprache und alte Teggscht z rekonstruiere, wie s früher tönt ha chönnt.

Sumerisch: De Bewiis ufem Lehm

Wenns drum gaht, vo wellere Sprach mir die ältischte schriftliche Zügnis händ, dänn gath de Pokal meistens is antike Mesopotamie, in hütige Irak. Det händ d Sumerer öppe um 3200 vor Christus agfange, Zeiche in weiche Lehm z ritze. Das isch d Geburtsstund vo de Keilschrift gsi.

Sumerisch isch e faszinierendi Sprach, will si mit keinere hütige Sprach verwandt isch – si isch e sogenannti isolierti Sprach. D Tekscht, wo d Forscher gfunde händ, sind nöd nur langwiiligi Lischte vo Chorn-Säck (obwohl s devo vill git), sondern au Literatur wie s Gilgamesch-Epos. Ganz knapp hinder em Sumerische liit s Ägyptische mit sine Hieroglyphe, wo ungfähr zur gliche Ziit entstanden sind. Aber nur will mir die Sprache läse chönd, heisst das nöd, dass si di allerersten gsi sind. Si händ eifach s Glück gha, dass si uf Material gschribe händ, wo d Jahrtuusigi überduret hät.

S absurde Experimänt vom Pharao Psammetich

D Frag nach de „Ur-Sprach“ hät d Lüüt so fest triibe, dass es i de Antike sogar zu zimli grausame Experimänt cho isch. De griechisch Historiker Herodot verzellt d Gschicht vom ägyptische Pharao Psammetich I. (regiert im 7. Jahrhundert v. Chr.). Er hät welle wüsse, welli Sprach Chind vo Natur us würded rede, wenn si nie öpper ghöred schwätze.

D Legände gaht so:

  • Er hät zwei Neugeboreni amene Hirt gäh.
  • De Hirt hät de Uftrag gha, d Chind i de Einsamkeit ufzziehe.
  • Niemert hät dörfe es Wort mit ihne rede.
  • De Pharao hät gwartet, bis eis vo de Chind de erscht Luut von sich git.

Angeblich söll eis Chind irgendwenn s Wort „Bekos“ gseit ha. Das hät de Psammetich recherchiere lah und usegfunde, dass „Bekos“ im Phrygische (ere Sprach us de hütige Türkei) „Brot“ heisst. Drum hät er d Schlussfolgerig zoge, dass Phrygisch di ältischti Sprach vo de Wält seg, sogar älter als Ägyptisch. Hüt wüssed mir natürlich, dass das Blödsinn isch. Wahrschinli hät s Chind eifach Tierluut naagmacht oder s Brable isch vom Hirt falsch interpretiert worde. Aber d Gschicht zeigt, wie fest de Wunsch i eus verankeret isch, de Ursprung z kenne.

Tamil, Chinesisch und Hebräisch: Wer hät d Tradition?

En andere Blickwinkel isch d Frag: Welli Sprach, wo hüt no gredt wird, isch am ältischte? Hier chömed oft Sprache wie Tamil, Chinesisch oder Arabisch ins Spiel. Bsunders s Tamil, wo vor allem in Indie und Sri Lanka gredt wird, hät e starchi Aaschpruchsbasis. Es git Literatur im Tamil, wo über 2000 Jahr alt isch, und d Sprach hät sich im Vergliich zu anderne weniger starch veränderet. E hütige Sprecher chan antiki Teggscht no halbwegs verstah.

S Chinesische hät ebefalls e uralti Tradition mit de Orakelchneche-Inschrifte, wo bis 1200 v. Chr. zrugggönd. Aber bi all däne „lebige Fossilie“ dörf mer eis nöd vergässe: Sprach isch wie en Fluss. Si veränderet sich ständig. S Chinesisch vo vor 3000 Jahr tönt ganz anderscht als s Mandarin oder Kantonesisch vo hüt. Wenn mir also säged, e Sprach seg „alt“, dänn meined mir meistens, dass si e langi, dokumentierti Gschicht hät, nöd dass d Lüüt hüt no genau gliich reded wie ihri Vorfahre.

D Spur füehrt nach Afrika: D Klick-Sprache

Wenn mir aber würklich wänd wüsse, wie di allerersti Sprach vo de Mönschheit tönt ha chönnt, müend mir d Schrift vergässe und d Biologie und Genetik aaluege. De Homo Sapiens chunnt us Afrika. Es isch also logisch, dass di erscht Sprach det gredt worde isch. Hütigi Linguischte lueged drum ganz genau uf d Khoisan-Sprache im südliche Afrika.

Die Sprache, wo vo de San-Völker gredt werded, händ e Bsunderheit: d Klick-Luut. Das sind Schnalzgrüsch, wo mit de Zunge und de Lippe gmacht werded. Es git e Theorie, wo besait, dass di ursprünglichi „Proto-Wält-Sprach“ vilicht settigi Klick-Luut gha hät. Warum glaubt mer das? Will genetischi Studie zeiged, dass d San zu de ältischte DNA-Linie vo de hütige Mönschheit ghöred. Es isch e gwagti These, aber einigi Forscher vermueted, dass d Klicks Überräscht vo de allereröschte Kommunikationsversuech sind, bevor sich d Menschheit über de Globus verteilt hät.

Indogermanisch: Die grossi Mueter vo Europa

Für eus in Europa isch vor allem s „Proto-Indogermanische“ interessant. Das isch d Ursprach, us dere sich Dütsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Russisch und sogar Hindi und Persisch entwickelt händ. Niemert hät die Sprach je ufgschriebe, will si gredt worde isch, lang bevor s e Schrift gäh hät (öppe 4000 bis 6000 Jahr her).

D Linguischte händ die Sprach aber rekonstruiert, indem si Wörter vergliche händ. Lueg der das Biispiel a:

  • Dütsch: Vater
  • Englisch: Father
  • Latiin: Pater
  • Griechisch: Patēr
  • Sanskrit: Pitar

Daraus schlüsst mer, dass s Ur-Wort öppe wie *pH₂tḗr tönt ha mues. Das isch wie e Zitbeisrückwärts: Mer nimmts hütige Wort und rechnet d luutliche Veränderige zrugg, bis mer bim Ursprung isch. Aber au s Indogermanische isch nöd di „erscht“ Sprach, sondern nur de Vorfahr vo eusere hütige Sprachfamilie.

Hüüfig gstellti Frage (FAQ)

Immer wieder tauched im Internet di gliche Frage uf, wenns um alti Sprache gaht. Da sind d Antworte druf, churz und bündig.

Isch Hebräisch nöd di ältischti Sprach vo de Wält?

Nei, wüsseschaftlich gseh nöd. Zwar isch Hebräisch e sehr alti Sprach und d Sprach vom Alte Teschtamänt, aber si ghört zur semitische Sprachfamilie. Es hät Vorläufer und Verwandti gäh (wie Akkadisch oder Ugaritisch), wo zum Teil no älter sind. D Idee, dass Hebräisch d Sprach vo Adam und Eva gsi seg, isch e religiösi Aasicht, kei linguistischi Tatsache.

Was isch mit Baskisch?

Baskisch isch extrem spannend, will es di einzigi Sprach in Weschteuropa isch, wo nöd indogermanisch isch. Das heisst, si isch scho da gsi, bevor d Indogermanen iigwanderet sind. Si isch en Überläbende us ere uralte Ziit. Ob si aber „älter“ isch als anderi, isch schwer z säge, da mir ihri Vorstufe nöd kenne. Si isch eifach isoliert blibe.

Git es e Sprach, wo sich nie veränderet hät?

Nei. Jede Sprach, wo vo Mensche im Alltag brucht wird, veränderet sich. Jugendsproch, neui Erfindige, Wanderige – all das formt d Sprach um. Nur toti Sprache wie Latiin veränderet sich nüme (usser im Chile-Kontext oder i de Wüsseschaft).

Wie wiit chönd mir i d Vergangeheit luege?

Mit de vergiichende Sprachwüsseschaft chönd mir öppe 6’000 bis maximal 10’000 Jahr zruggluege. Alles, was davor liit, isch Spekulation, will sich d Wörter so starch veränderet händ, dass mer keis Muster meh erkennt.

De Faktor Anatomie: Wenn hät de Mensch chönne rede?

E ganz anderi Aasatzwiis isch d Anatomie. Nöd jede Menschform hät überhaupt chönne rede wie mir. De Neandertaler zum Biispiel hät zwar sicher kommuniziert, aber sin Kehlchopf isch anders baut gsi als üsem. Forscher lueged drum uf s Zungenbei (Hyoid-Chneche) und uf s Gen „FOXP2“, wo für d Sprachfähgikeit wichtig isch.

Fund zeiged, dass de Homo Sapiens scho vor 300’000 Jahr anatomisch dezue i de Lag gsi wär, z rede. Aber hät er s au gmacht? Die meischte Experte gönd dervo us, dass di „echti“ komplex Sprach, so wie mir si kenne – mit Grammatik, Zuekunftsform und abstrakte Begriff – erst mit de kognitive Revolution vor öppe 70’000 Jahr so richtig explodiert isch. Das wär dänn de Moment gsi, wo de Mensch agfange hät, Gschichte z verzelle, Religion z entwickle und Plän z schmiede.

Warum mir nie e endgültigi Antwort ha werded

Es isch e chli enttüschend, aber di „einti“ ältischti Sprach wird mer nie finde chönne. Sprache entstönd nöd vo hüt uf morn wie es neus iPhone-Modell. Es isch en flüssige Prozess. Us Tierluut sind Warnruef worde, us Warnruef sind Näme worde, us Näme sind Sätz worde. Es git kein klare Schnittpunkt, wo mer säge chan: „Ab jetzt isch es e Sprach“.

Was mir aber händ, isch s Wüsse darüber, wie unglaublich aapassigsfähig d Mönschheit isch. Jedes Mal, wenn Forscher e «verloreni» Sprach entziffere oder en neue Dialekt im Urwald erforsche, lüfted sich es chliises Stuck vom Gheimnis. Mir chönd zwar nöd s Tonband vo vor 100’000 Jahre abspiele, aber mir gsehnd i jedem Wort, wo mir hüt bruuched, s Erb vo tuusige vo Generatione vor eus.

Neui Technologie als Schlüssel für alti Rätsel

Interessanterwiis isch d Gschicht vo de Sprachforschig no lang nöd fertig gschribe. Grad hüt, im Ziitalter vo Künstlicher Intelligenz (KI), tüend sich völlig neui Türe uf. Computer sind i de Lag, Muster i alte Teggscht z erkenne, wo es menschlichs Aug überseht. So isch es vor churzem glunge, Teile vo uralte Schrifte z entziffere, wo mer lang für unlesbar ghalte hät.

D Hoffnig isch gross, dass mir mit dere Technologie villicht no wiiter i d Vergangeheit luege chönd. System chönd Millione vo Wörter us allne Sprache vo de Wält vergliiche und statistischi Wahrschinlichkeite berächne, wie d Ur-Wörter tönt händ. Wer weiss, villicht chönnt in es paar Jahre e KI e «Proto-Sapiens-Sprach» simuliere, wo nöcher a de Realität isch als alles, was mir eus bis jetzt ertraumt händ. Bis dänn blibt eusi Sprach s schönste und komplexischte Rätsel, wo mir jede Tag mit eus umetrege.