Privatier wärde: Wie viel Gäld bruuchsch würkli?

Wär träumt nöd devoo, am Mäntigmorge eifach im Bett z bliibe, de Wecker z ignoriere und de Tag so z gschtalte, wie mers sälber wett? D Vorschtellig, nümme müese go schaffe, will s Geld ufem Konto für de Rescht vom Läbe langet, hät en enorme Reiz. Früener hät mer so öpper eifach als Riiche bezeichnet, hüt gits defür en elegantere Begriff: Privatier. Aber isch das i de Schwiiz, eme Land mit doch eher höche Läbeschoschte, überhaupt realistisch für „Normalverdiener“? D Antwort isch es vorsichtigs Ja, aber de Wäg dethi isch mit viel Disziplin, kluger Planig und vor allem em richtige Verständnis vo de finanzielle Mechanisme pflasteret. Es gaht nöd nur drum, im Lotto z günne, sondern drum, es System z schaffe, wo s Geld für dich schaffet, statt dass du für s Geld schaffsch.

Was bedüütet es eigentlich, en Privatier z sii?

De Begriff „Privatier“ tönt chli nach Adel und 19. Jahrhundert, aber d Bedütig hät sich i de hütige Ziit stark gwandlet. Grundsätzlich isch en Privatier öpper, wo sini finanzielle Bedürfnis nöd dur Erwerbsarbet deckt, sondern dur Erträg us sim Vermöge. Das chönd Zinse, Dividende, Mietiinahme oder de Verzehr vom aagsparte Kapital sii.

Im Gegesatz zum klassische Rentner, wo bis 64 oder 65 gschaffet hät und dänn sini AHV und Pensionskassebezeig überchunt, entscheidet sich de Privatier bewusst defür, scho viel früener us em Hamsterrad uuszschtige. I de moderne Finanzwält redt mer oft au vo de FIRE-Bewegig (Financial Independence, Retire Early). S Ziel isch debii nöd unbedingt, de ganz Tag uf de Fuule Huut z ligge. Viel meh gaht es um d Freiheit, das z mache, was mer wott – sig es ehrenamtlichi Arbet, Reise, Kunscht oder eifach Ziit mit de Familie – ohni de finanzielle Druck im Nacke.

D Rächmig: Wie viel Vermöge isch nötig?

Das isch d Frag, wo am meischte brennt. Wie viel Millione bruuchsch, damit du i de Schwiiz ohni Job überläbe chasch? Es git kei Pauschalantwort, well jede en andere Läbensstil hät. Aber es git e Formle, wo i de Finanzwält als Richtschnuer gilt: D 4-Prozent-Regle.

D 4-Prozent-Regle und ihri Tücke i de Schwiiz

D Idee stammt us de USA (Trinity Study) und besait, dass du jedes Jahr 4% vo dim aagleite Vermöge entneh chasch, ohni dass s Geld vor dim Läbensendi uusgaht – voruusgsetzt, s Geld isch breit i Aktie und Obligatione investiert. Wenn du also im Jahr 80’000 Franke zum Läbe bruuchsch, rechnisch du:

80’000 CHF / 0,04 = 2’000’000 CHF

Du bruuchsch also 2 Millione Franke. Aber Vorsicht: I de Schwiiz gits Faktore, wo die Rächnig komplizierter mached:

  • Vermögensstüür: Anders als i viele andere Länder zahlsch du i de Schwiiz Stüüre uf dis Vermöge. Das frisst jedes Jahr am Kapital.
  • Tüüfi Rendite: Obligatione (Bundesobligatione etc.) werfed i de Schwiiz chum Rendite ab, was de sichere Teil vom Portfolio weniger ertragriich macht.
  • Inflation: D Tüürig macht dis Geld weniger wert. D Entnahm emues also a d Inflation aapasst werde.

Vili Schwiizer Finanzexperte empfohled darum eher e konservativer Entnahmerate vo 3% bis 3,5%. Wenn mer mit 3% rechnet, bruuchsch du für die gliiche 80’000 Franke Jahresusgabe scho rund 2,67 Millione Franke.

Versteckti Choschte: Was vieli vergässed

Wer nümme schaffet, spart zwar Pendlerchoschte und Mittagässe usswärts, aber es git Poschte, wo dänn erst recht ins Gwicht falled oder neu dezue chömed. En solide Finanzplan muess die Pünkt berücksichtige.

D AHV-Biträg für Nichterwerbstätigi

Das isch e typischi Schwiizer Falle. Wer vor em offizielle Pensionsalter uufhört schaffe, gilt als „Nichterwerbstätig“. Du musch aber wiiterhin AHV-Biträg zahle, bis du s Rentenalter erreichsch, suscht häsch du dänn e massivi Rentelücke (Kürzig). D Höchi vom Bitrag richtet sich nach dim Vermöge und dim (foifache) Renteniiikomme. Das cha bi höchem Vermöge schnell mal über 10’000 Franke pro Jahr sii, wo du eifach so „für nüt“ (also ohni direkten Gegewert im Moment) abdrucke musch.

Chrankekasse und Unfahlversicherig

Solang du aagstellt bisch, zahlt de Arbeitgeber d Hälfti vo de Pensionskasse und oft au d Unfahlversicherig (NBU). Als Privatier musch du d Chrankekasse sowieso sälber zahle, aber du musch di jetzt au sälber gäge Unfahl versichere (bi de Chrankekasse iischliesse). Und da du keis Iikomme me häsch, gits au kei Prämienverbilligung, wenn du es grosses Vermöge bsitzisch.

D Iikommensquelle: Vo was läbsch du?

Nur s Geld ufem Sparkonto ligge z ha, funktioniert wäg de Inflation nöd. Dis Geld muess schaffe. Typischerwiis setzt sich s Iikomme vomene Privatier useme Mix zäme:

  1. Dividende-Aktie und ETFs: Das isch de Motor vo de meischte Privatiers. Breit gstreuti ETFs (Exchange Traded Funds) oder en Korb vo solide Schwiizer Dividendenperle (wie Nestlé, Novartis, Zurich) sorged für regelmässige Cashflow. I de Schwiiz sind Kapitalgwünn (Kursgwünn) für Privati stüürfrei, was en riesige Vorteil isch. Dividende müend aber als Iikomme verstüüret werde.
  2. Immobilie: Es Mehrfamiliehuus chan e solidi Rente abwerfe. Aber Achtung: Immobilie sind Arbet. Mieter wänd öppis, Sache gönd kaputt. Und de Eigenmietwert bi sälber bewohntem Eigetum isch au e Stüürfalle.
  3. Verzehr vom Kapital: Wenn du 50i bisch, muesch nöd plane, dass dis Kapital ewig bstaht. Du chasch es so iiteile, dass es bis zum statistische Läbensendi (plus Sicherheitsmarge) ufbbruucht isch. Das reduziert de benötigte Betrag am Anfang.

Schritt-für-Schritt zum Ziel

Wer nöd geerbt hät oder en Firma verchauft hät, muess chli lengeri Schnuuf ha. De Wäg zum Privatier isch meistens en Marathon und kein Sprint. De wichtigschte Hebel isch d Sparquote. Das isch de Prozentsatz vo dim Nettoiikomme, wo du nöd usgisch, sondern investiersch.

Mit ere Sparquote vo 10% bruuchsch du über 50 Jahr Arbet. Wenn du es schaffsch, 50% vo dim Lohn uf d Siite z legge, chasch du theoretisch i ca. 17 bis 20 Jahr finanziell frei sii (abhängig vo de Marktrendite). Das bedüütet aber oft: Verzicht. Kleineri Wohnig, kein tüüre Leasing-Wage, sälber choche. De Wäg isch nöd für jede ggeignet, aber er isch mathematisch möglich.

FAQ – Hüfig gstellti Frage zum Privatier-Status

Lohnt es sich, d Pensionskasse früehner uszbezahle?
Das chan e Option sii, um Kapital für Investitionen z ha. Wer d Schwiiz verlaat (in es Nicht-EU/EFTA Land) oder sich sälbstständig macht, chan d PK bezieh. Oder mer bezieht si bim reguläre, aber früehe Rücktritt. De Vorteil: Du chasch s Geld sälber aalege. De Nachteil: Du treisch s Risiko sälber und s Geld isch weg, wenn du dich verspekuliersch. Zudem fallet bim Bezug Kapitalbezugsstüüre aa.

Wie viel Stüüre zahlt en Privatier?
Du zahlsch Iikommensstüür uf dini Erträge (Dividende, Zins, Mieti) und Vermögensstüür uf dis Gsamtkapital. Kapitalgwünn us Aktie sind i de Regel stüürfrei, solang du nöd als „gewerbsmässige Wertschriftehändler“ iigstueft wirsch. Das isch en riesige Vorteil im Vergliich zu Arbeitnehmer, wo de Lohn voll verstüüret wird.

Lange 1 Million Franke für d Schwiiz?
Ehrlich gseit: Für e Familie eher nei. Für en sehr sparsame Single eventuell ja, wenn mer d AHV-Rente spöter no mitiirechnet und s Kapital verzehrt. Wer aber en gwüsse Luxus i de Schwiiz bhalte wott (z.B. in Züri oder Gänf), de sött eher mit 2 bis 3 Millione rechne, um uf de sichere Siite z sii.

Was passiert bi eme Börsecrash?
Das isch s gröschte Risiko (Sequence of Returns Risk). Wenn de Crash grad dänn passiert, wenn du ufhörsch schaffe, isch das verheerend. Darum sött mer i de erste 5 Jahr vom Privatier-Läbe en „Cash-Puffer“ ha (z.B. 2-3 Jahresusgabe uf em Konto), damit mer i schlächte Börseziite kei Aktie mit Verlust muess verchaufe.

Konkreti Massnahme für dini Finanzplanig

De Traum vom Privatier blibt en Traum, wenn du nöd hüt aafangsch, d Weiche z stelle. Es gaht nöd drum, morn z chünde, sondern hüt d Kontrolle über dini Finanze z überneh. Fang aa, es Huushaltsbuech z füehre – nur wer weiss, wo s Geld heregaht, chan d Sparquote optimiere. Überprüef dini Versicherige und Abos: Bruuchsch du das alles wirklich?

De nächschti Schritt isch d Investition. Lah dis Geld nöd ufem Lohnkonto vergammle. Eröffne es Depot bi eme günstige Online-Broker und fang aa, monatlich in en wältwiite ETF z investiere. Au chliini Beträg summiered sich über d Jahr dank em Zinseszinseffekt. Informier dich über d Säule 3a: Du sparsch Stüüre und chasch das Geld spöter au als Startkapital für d Selbstständigkeit oder Wohneigetum nutze. Überleg dir au, ob Teilziit en Zwüscheschritt chönnt sii. Villicht muesch nöd komplett ufhöre schaffe, sondern s „Barista FIRE“ Modell (wenig schaffe für d Grundchoschte) isch din Wäg. Egal wie: Start isch wichtiger als s perfekte Ziel.