Es git chum öbbis Befriedigenders, als dur de eigni Garte z’laufe und z’gseh, wie s’Gmües wachst, wo mer sälber gsait hät. Während Tomate, Gurke und Salät i fast jedem Schwiizer Garte z’finde sind, traued sich a d’Linse nur die Wenigste ane. Dabei isch d’Linse, wo zu de ältiste Kulturpflanze vo de Menschheit ghört, nöd nur extrem gsund, sondern au en absolute Bodeverbesserer. Vill Lüüt meined, Linse seged e exotischi Pflanze, wo nur im Süde oder in Asie wachst, aber das stimmt überhaupt nöd. Früehner isch d’Linse au i de Schwiiz, bsunders uf de Schwäbische Alb und i de angrenzende Gebiete, e wichtigis Grundnahrungsmittel gsii. Werum also nöd mal öbbis Neus usprobiere und de eigni Eiwiiss-Lieferant direkt hinderem Huus aapflanze? Es bruucht zwar chli Geduld und s’gwüsse Know-how, aber d’Froid a de eigne Linse-Ernt isch defür umso grösser.
E chli Gschicht: Vom «Arme-Lüt-Znacht» zum Superfood
Bevor mir i d’Praxis iistiiged, lohnt sich en churze Blick zrugg. D’Linse (Lens culinaris) wird scho siit über 8000 Jahre aabout. I de Schwiiz und im südliche Dütschland isch sie lang es Grundnahrungsmittel für die ärmere Bevölkerigsschichte gsii, will sie billig, lagerfähig und extrem nahrhaft isch. Mit em Ufcho vo de moderne Landwirtschaft und em Import isch sie aber fast verschwunde, will d’Ernt und d’Verarbeitig recht ufwendig sind im Vergliich zu Weize oder Härdöpfel. Erst i de letschte Jahre, mit em Trend zu «Regional & Saisonal» und de Wiederentdeckig vo alte Sorten, chunnt d’Linse wieder zrugg i d’Gärte. Hüt gilt sie nümme als Arme-Lüt-Esse, sondern als hochwertigs Superfood, voll mit Proteine, Ballaststoff und Mineralie.
D’Wahl vo de richtige Sorte
Nöd jedi Linse isch glich. Wenn du im Supermarkt es Päckli Linse chaufsch, sind das oft Sorten us Kanada oder de Türkei, wo euses Klima nöd unbedingt verträged oder gar nöd erst kiimed. Für de Aabou dihei söttsch du uf Sorten zrugggriife, wo a euses mitteleuropäische Klima aapisst sind.
- Alb-Leisa: Das sind traditionelli Sorten us Süddeutschland, wo perfekt a euses Wetter aapisst sind. Es git sie i chliine (Späths Alblinse I) und grosse Variante (Späths Alblinse II). Sie sind sehr robust.
- Puy-Linse: Die berüemte grüne Linse us Frankriich. Sie bruuched es bitzeli meh Wärmi, wachsed aber a gschützte Lage i de Schwiiz au sehr guet. Sie bhalted bim Choche ihr Bissfestigkeit.
- Beluga-Linse: Die «Kaviar-Linse» sind chli, schwarz und glänzed. Sie gsehnd edel us und sind im Aabou recht unkompliziert, bruuched aber gueti Bodebedingige.
De perfekti Standort und d’Bodeaasprüch
Ein vo de grösste Vorteil vo de Linse isch ihri Gnuegsamkeit. Sie ghört zu de Leguminose (Hülsefrücht) und hät d’Fähigkeit, mit Hilf vo Chnöllibakterie Stickstoff us de Luft im Bode z’binde. Das heisst, sie düngt sich quasi sälber und hinderlaat de Bode nach de Ernt besser, als sie en vorghaa hät.
Trotzdem git es es paar Pünkt, wo du beachte muesch:
- Sunne, Sunne, Sunne: Linse liebed es warms und sunnigs Plätzli. Schatten möged sie gar nöd.
- Magere Bode: Im Gegeteil zu Starkzehrer wie Chürbis oder Tomate, mag d’Linse eher en magere, chli sandige und vor allem durchlässige Bode. En z’fette, stark gedüngte Lehmbode füehrt dezue, dass d’Pflanze zwar vieli Blätter bildet, aber chum Schote und Linse aasetzt.
- Staunässi vermiide: Nasses Füess verträged Linse überhaupt nöd. Wenn de Bode z’fest Wasser spiicheret, fuled d’Wurzle schnell.
- pH-Wert: Sie liebed chli chalhaltige Bode. Wenn din Gartebode eher suur isch, chasch chli Gartechalk iischaffe.
S’Gheimnis vo de Mischkultur: Nie allei liiere
Das isch wahrschiinli de wichtigsti Punkt bim Linse-Aabou, wo die meiste Aafänger falsch mached: D’Linse isch e sehr filigrani Pflanze mit schwache Stängel. Wenn sie allei stoht und wachst, knickt sie bi Wind oder Rege sofort um und liit denn am Bode. Das füehrt dezue, dass d’Schote verfuled oder schimmled. Drum bruucht d’Linse e «Stützfrucht».
In ere Mischkultur säisch du d’Linse zäme mit ere andere Pflanze aa, wo stabil isch und als Rankhilf dient. Bewährt händ sich da:
- Hafer oder Gerste: Das klassische Getreide bietet de feine Linseranke perfekte Halt.
- Leindotter (Camelina sativa): Das isch de «Best Buddy» vo de Linse. De Leindotter wachst öppe gliich schnell, wird nöd z’dicht und stützt d’Linse optimal, ohni ihr s’Liecht wegzneh.
Du mischisch s’Saatguet am beschte direkt vor em Ussäie. Es Verhältnis vo öppe 1 Teil Stützfrucht zu 2 Teile Linse hät sich bi villne Hobbygärtner bewährt.
D’Ussaat: De richtigi Ziitpunkt
Geduld isch e Tugend, au bim Linseaabou. Linse sind zwar robust, aber Frost möged sie nöd bsunders gern i de Kiimphase.
De ideali Ziitpunkt für d’Ussaat isch vo Mitti April bis Aafang Mai. De Bode sött scho e gwüssi Grundwärmi ha (mindestens 5 Grad, besser 8-10 Grad). Wenn d’Iisheilige im Mai verbii sind, isch d’Gfahr vo Spaatfröscht banni, und d’Pflanze chönd richtig loslegge.
So gasch vor:
Zieh Rille im Abstand vo öppe 20 bis 30 cm. D’Saattiefi sött zwüsched 3 und 4 cm ligge. Streu d’Mischig us Linse und Stützfrucht nöd z’dicht i d’Rille, deck alles mit Erde zue und druck de Bode guet aa. D’Linse bruucht de Bodeschluss, um Wasser ufzneh. Am Aafang söttsch de Bode fuescht halte, bis d’Pflanze us de Erde lueged.
Pfleg während em Wachstum
Wenn d’Linse mal wachsed, sind sie eigentlich sehr pflegliecht. Dünger bruuchts, wie gseit, kein. Im Gegeteil, Stickstoffdünger würd d’Pflanze nur «fuul» mache, so dass sie weniger Chnöllibakterie bildet.
Was aber wichtig isch, isch s’Unchruut. I de erste paar Wuche sind d’Linse no chli und wachsed langsamer als s’Uuchruut. Da muesch du regelmässig jäte, damit d’Linse nöd überwuecheret werded. Sobald d’Linse und d’Stützfrucht en gwüssi Höchi erreicht händ (öppe ab Juni), deckeds de Bode so guet ab, dass Unchruut chum no e Chance hät.
Wasser bruuchts nur i sehr, sehr trochne Phase. D’Linse chunt us trochnige Gebiete (Vorderasie) und hät tüüfi Wurzle. Z’vill Wasser schadet eher.
D’Ernt: D’Chunst vom richtige Timing
Jetz wird’s spannend – und chli tricky. D’Linse bliibt nämli nöd schön gliichmässig riif. A de gliche Pflanze chasch du oft no Blüete ha, während die underste Schote scho riif und bruun sind. Das macht de Ziitpunkt vo de Ernt zur Gfühlssach.
Normalerwiis isch d’Ernt zwüsched Endi Juli und Mitti August. Du merksch, dass es sowiit isch, wenn die meiste Schote (öppe zwei Drittel) bruun raschled und d’Pflanze aafangt gälb z’werde. Wart nöd, bis alles rappel-dürr isch, suscht plazed d’Schote scho im Beet uf und d’Linse gheit uf de Bode.
S’Vorgehe bi de Ernt:
Zupf nöd jedi Schote einzeln ab – da würsch alt werde debii. Bi de Linseernt riisst oder schniidet mer die ganzi Pflanze samt de Stützfrucht ab. Mach chliini Bündel und häng die an eme luftige, trochne Ort (zum Biispiel im Gartehüüsli oder under em Dachvorsprung) uf. Det chönd sie no nachtröchne. Das isch wichtig, well die no grüene Schote so no nariifed.
Dresche und Reinige: De Weg zur suubere Linse
Wenn alles staubtroche isch, chunnt de sportlichi Teil: s’Dresche. Da heisst’s, d’Linse us de Schote usezbringe.
- S’Chüssi-Verfahre: Für de Huusgebruuch nimmst du en alte Chüssibezug (Kopfkissenbezug). Steck d’trochne Pflanze da ii, bind en zue und denn dörfsch dinere Energie freie Lauf lah: Hau mit eme Teppichklopfer druff, trampel druff ume oder schlah de Sack gäge d’Wand. Ziel isch es, dass d’Schote ufgönd.
- Sibe: Jetz häsch im Sack en Huufe Chruut, Stängel und irgedwo dzwüsched d’Linse. Nimm es grobs Sib, um s’grobe Strroh usezfiltere. D’Linse und s’fiine Spreu gheit dure.
- Wind-Methode: Um de Rest vom Spreu (die fiine Hülse-Teili) vo de Linse z’trenne, nutzt mer de Wind. Du chasch das dihei mit eme Ventilator mache oder wenn’s dusse windet. Laa d’Linse und s’Spreu langsam vo obe in e Schüssle gheie, während de Wind (oder Ventilator) vo de Siite blast. Da d’Linse schwerer sind als s’Spreu, gheit d’Linse i d’Schüssle, und de Dreck flüügt devoo. Das bruucht villicht zwei, drü Durchgäng, bis d’Linse suuber sind.
Schädling und Chrankheite
Eigentlich isch d’Linse robust. Aber eine mag sie bsunders gern: de Linselchäfer (Linsenbruuchus). Das isch en chliine Chäfer, wo sini Eier uf d’Blüete lait. D’Larve frisst sich i d’Linse ii. Oft merkt mer das erst nach de Ernt, wenn’s i de Lagerbüchs aafangt z’chrabble oder d’Linse Löcher händ.
Tipp gäge de Chäfer: Leg d’Linse nach de Ernt und em Tröchne für öppe ei bis zwei Wuche in Tüüfchüehler (bi mind. -18 Grad). Das tötet d’Larve und Eier ab. D’Linse sind danach immer no essbar und keimfähig (bi gwüsse Bedingige liidet d’Keimfähigkeit, aber zum Esse isch es perfekt).
Schwiizerdütschi FAQ: Die hüfigste Frage zum Linse-Aabou
- Channi eifach Linse us em Sack vom Grossverteiler säie?
- Das isch Glückssach. Villi vo dene Linse sind behandelt, überlageret oder chömed us Klimazone, wo nöd zu eus passed. Für en sichere Ertrag lohnt sich de Chauf vo zertifiziertem Saatguet oder Speiselinse vo Bio-Pioniere wie de Alb-Leisa.
- Wieviel Ertrag gitt ei Quadratmeter?
- Erwarte kei Wunder. Linse sind «Extensiv-Pflanze». Pro Quadratmeter chasch je nach Sorte und Wetter mit 50 bis 100 Gramm trochni Linse rechne. Wer also de Jahresvorrat für e Familie will aaboue, bruucht ordentlich Platz. Aber au chliini Mengen sind toll für e Suppe!
- Muesi d’Stützfrucht (z.B. Hafer) miternten?
- Ja, das passiert automatisch. Du dreschisch alles zäme. Nachher bim Sibe und «Winde» trennsch du d’Linse nöd nur vom Spreu, sondern au vom Getreide. Oder du lassisch es zäme und kochsch es als «Linsen-Getreide-Eintopf». Wenn du Leindotter als Stützi gha häsch, sind die Sömli so chli, dass sie bim Sibe wegfalled.
- Sind die Pflanze mehrjährig?
- Nei, Linse sind einjährig. Du muesch sie jedes Jahr neu säie. Vergiss nöd, e paar vo dine schönste Linse für s’nächste Jahr als Saatguet ufzbhalle.
- Muesi d’Linse vor em Choche iiweiche?
- Das hanget vo de Sorte ab. Die meiste chliine Linse (wie Alb-Leisa, Puy oder Beluga) mues mer nöd zwingend iiweiche, sie sind i 20-30 Minute gar. Iiweiche verchürzt aber d’Chochziit und macht sie für gwüssi Lüüt besser verdaulich.
S’Experiment wage und d’Vielfalt gnüsse
Linse im eigne Garte aazboue isch villicht nöd de effizientsti Weg, um satt z’werde, wenn mer de Platz und de Ufwand im Vergliich zum Ertrag aaluegt. Aber es gaht ja bim Gärtnere nöd immer nur um Effizienz. Es gaht drum, de Chreislauf vo de Natur z’verstah, alti Kulturpflanze z’erhalte und d’Froid z’ha, öbbis uf em Täller z’ha, wo zu 100% «Made by Me» isch.
Zudem tuesch du dim Gartebode en riesige Gfalle, wenn du ab und zue Leguminose aabousch. De Stickstoff, wo d’Linse im Bode hinderlönd, hilft em Gmües, wo du im nächste Jahr det aabousch. Also, wag s’Experiment! Bsorg der guets Saatguet, suechnes sunnigs Plätzli und lueg zue, wie die fiine Blättli wachsed. Und spatestens wenn du dini ersti eigni Linsesuppe chochsch, wirsch gmerke: De Ufwand hät sich glohnt. En Guete!
