Jede Gärtner und Huusbsitzer kennt das Gfühl: Endlich isch de Früehlig da, d’Sunne schiint und mer möchti d’Ziit im eigne Garte gnüsse – am liebste ganz ungestört. Privatsphäre isch es höchs Guet i de Schwiiz, und dorum pflanzet vili Lüüt Hecke, um sich vor de neugierige Blick vo de Nachbere oder de Passante uf de Strass z’schütze. Aber genau da fangt oft s’Problem a. Was für de eint en schöne Sichtschutz isch, isch für de ander e grüeni Wand, wo d’Sunne wegnimmt und de Ussicht versperrt. Es git chum es Thema im Nachbarrecht, wo so oft für rote Chöpf sorgt wie d’Höchi und de Grenzabstand vo Hecke und Büsch. Bevor du also zur Schaufel griifsch oder d’Heckescheri aawerfsch, lohnt sich en genaue Blick i d’Gsetzbüecher, denn d’Regle sind i de Schwiiz alles anderi als eiheitlich.
De Föderalismus im Garte: Warum jede Kanton anderi Regle hät
In vile Bereich isch d’Schwiiz bekannt für ihre «Kantönligeist», und s’Nachbarrecht isch da keis Ussnahm. Zwar git es s’Schwiizerische Zivilgesetzbuch (ZGB), wo im Artikel 688 festhaltet, dass d’Kanton befugt sind, für d’Aapflanzige bestimmdi Abständ zum Nachbargrundstück vorzschriibe. Das bedütet im Klartext: De Bund git d’Verantwortig ab, und d’Kanton und Gmeinde dörfed selber entscheide. Das führt dezue, dass d’Regle in Züri ganz anders chönd usgsee als im Aargau, in Bern oder in St. Galle.
Grundsätzlich muesch du drü wichtigi Begriff kenne, wenns um Hecke gaht:
- Grenzabstand: Wie wiit weg vo de Grenzlinie mues d’Pflanze stah.
- Höchi: Wie höch dörf d’Pflanze sii, basierend uf em Abstand.
- Pflanzenart: Handlet es sich um e Grüenhecke, en einzeln stahende Baum oder en Waldbaum?
Wenn du i dim Kanton s’Gsetz sueche wotsch, wirsch du meistens im «Einführungsgesetz zum ZGB» (EG ZGB) oder im lokale Planungs- und Baugesetz (PBG) fündig. Es isch extrem wichtig, nöd nur uf de Kanton z’luege, sondern au uf d’Bau- und Zonenordnung vo dinere Wohngmeind. Vili Gmeinde hend nämlich no strengeri Vorschrifte, bsunders wenns um d’Gstaltig vom Strasseruum gaht oder um d’Sicherheit a Verkehrswäge.
D’Faustregle und d’Realität: Wie höch isch z’höch?
Obwohl es die kantonale Unterschied git, existiered gwüssi Richtwert, wo in viele Gmeinde i de Dütschschwiiz en guete Ahaltspunkt büüted. E typischi Regelig unterscheidet oft zwüsched «Chliihecke» und «Grosshecke».
Typischi Abständ und Höchene
Bi chlinere Hecke, wo oft als Ersatz für en Muur oder en Hag diened, gilt hüüfig: Bi eme Grenzabstand vo 50 bis 60 Zentimeter dörf d’Hecke meistens nöd höcher als 1.20 Meter sii. Das isch d’Höchi, wo mer no drüberluege chan und wo de Garte nöd komplett abrieglet.
Wenn d’Hecke höcher sii söll, mues si wiiter weg stah. E verbreiteti Regle isch d’Mehrhöchi: Für jede Zentimeter, wo d’Hecke höcher als 1.20 Meter oder 1.50 Meter isch, mues si entsprächend wiiter vo de Grenze wegrucke. Bi höche Hecke, wo bis zu 2 Meter oder meh wachsed, verlanget vili Gsetz en Abstand vo mindestens einem halbe Meter plus d’Mehrhöchi oder pauschal zwei Meter Grenzabstand. S’Ziel isch immer, dass de Nachber nöd im ewige Schatte lebe mues.
Wo wird eigentlich gmässe?
Das isch e klassischi Stritfrag vor em Friedensrichter. Wird ab em Bode gmässe? Und was isch, wenn de Bode schräg isch oder d’Hecke ufeme Wall staht? I de meiste Fäll gilt de «gwachsene Bode» als Referenzpunkt. Das heisst:
- De Abstand misst mer vo de Grenzlinie bis zur Mitti vom Stamm oder zu de Haupttriebe vo de Hecke (dort, wo si us em Bode chömed).
- D’Höchi misst mer vom Bode, wo d’Pflanze druf staht, bis zur oberste Spitze.
Staht d’Hecke uf ere Ufschüttig oder ere Muur (Terrassierig), zellt d’Muur oft scho zur Gsamthöchi dezue, wenn si nöch a de Grenze staht. Da wirds juristisch schnell kompliziert, und es lohnt sich, bi de Gmeindbauamt d’Plän aazluege.
D’Verjährig: S’Ass im Ärmel für alti Hecke
Jetz chunnt en Punkt, wo für vili Huusbsitzer entscheidend isch und oft nöd beachtet wird: D’Verjährig. Stell der vor, din Nachber hät vor 10 Jahr e Thuja-Hecke direkt a d’Grenze pflanzt. Mittlerwiile isch das Ding drü Meter höch und nimmt dir jedi Abigsunne. Chasch du dich no wehre?
Das hangt extrem starch vom Kanton ab. Es git zwei Szenarie:
- Kanton mit Verjährig (z.B. Züri): Im Kanton Züri zum Biispiel verjährt de Aaspruch uf Beseitigung oder Rückschnitt nach füüf Jahr. Wenn du dich also füüf Jahr lang nöd beschwert häsch (schriftlich!), dänn häsch du dis Recht verwirkt. D’Hecke dörf dänn so stah bliibe, wie si isch – au wenn si eigentlich z’höch und z’nöch isch. De «Überwuchs» (also wenn si wiiter in d’Höchi wachst) mues aber oft glich gschnitte werde, damit si nöd no höcher wird als zum Ziitpunkt vo de Verjährig.
- Kanton ohni Verjährig: In andere Kantön isch de Aaspruch unverjährbar. Das heisst, du chasch au nach 20 Jahr no verlange, dass de Nachber sini Hecke uf s’gsetzliche Mass zruggschniidet. Das isch natürlich en enorme Vorteil für de gschädigti Nachber, aber en Albtraum für de Bsitzer vo de Hecke.
Wichtig isch au z’wüsse, dass d’Verjährig meistens unterbroche wird, wenn mer en Rechtsvorschlag macht oder s’Schlichtigsverfahre iileitet. E eifachs «Hoi, chasch mal schniide?» über de Hag langt juristisch oft nöd, wenn de Nachber sich stur stellt.
Schatte, Laub und Wurzle: Was mues mer dulde?
Näbe de reine Höchi git es no anderi Emissione, wo Hecke verursachet. Bsunders de Schattewurf isch es riesigs Thema. S’Schwiizer Recht isch da aber relativ streng mit de Chläger. Nur will e Hecke chli Schatte wirft, chan mer si nöd verbüüte. Mer redt da vo «ortsübliche Immissionen». Erst wenn de Schatte so extrem isch, dass er d’Nutzig vo dim Grundstück «übermässig» iischränkt (Art. 684 ZGB), häsch du en Chance vor Gericht – und das isch sehr schwer naazwiise.
Genau so verhaltet es sich mit Laub, Nodle oder Blüetestaub. Das ghört i de meiste Wohnquartier eifach dezue. Wenn aber d’Äst vo de Hecke über d’Grenze wachsed (Überhang), dänn häsch du s’sogenannte Kapprecht (Art. 687 ZGB). Du muesch dim Nachber zerst e Frist setze, damit er d’Äst selber abschniidet. Macht er das nöd, dörfsch du d’Äst, wo uf dis Grundstück raget, selber abschniide und bhalte – voruusgsetzt, si störed dich bi de Nutzig vo dim Bode.
Vorsicht bi Neophyten: Verboteni Pflanzen im Garte
Sit em 1. September 2024 gilt i de Schwiiz e verscherfti Freisetzigsverordnung. Das bedütet, dass gwüssi Pflanze, wo als invasivi Neophyten geltet, nümme verchauft, verschenkt oder aabaut werde dörfed. Dazu ghöret zum Biispiel de Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), wo jahrelang die beliebtisti Heckepflanze i de Schwiiz gsi isch. Wenn du bereits en Kirschlorbeer im Garte häsch, muesch en nöd sofort usriisse (Bestandsschutz), aber du musch defür sorge, dass er sich nöd verbreitet. Wenn du aber e neui Hecke planisch, isch es verbote, söttigi Pflanze z’setze. Das isch nöd nur e Empfehlig, sondern gsetzlichi Pflicht. Es lohnt sich also, uf iiheimischi Hölzer wie Haibueche, Liguster oder Eibe (Vorsicht, giftig!) z’setze.
Häufig gstellti Frage (FAQ) zum Heckerecht
Dörf ich d’Hecke vom Nachber eifach selber schniide, wenn si z’höch isch?
Nei, uf gar kein Fall! D’Hecke ghört em Nachber. Wenn du eifach zur Scheri griifsch und d’Höchi chürzisch, begahsch du Sachbeschädigung. Du dörfsch nur Äste und Wurzle schniide, wo über d’Grenzlinie uf dis Grundstück wachsed (Überhang), und au das erst, nachdem du dem Nachber e aagmessni Frist gsetzt häsch, es selber z’mache. D’Höchi vo de Hecke selber dörfsch du nie aataste.
Zellt en Hag oder e Sichtschutzwand glich wie e Hecke?
Jaein. Es git en Unterschied zwüsched «Grünhecken» und «toten Einfriedungen» (Muur, Hag, Holzwand). Oft sind d’Abstandsvorschrifte für «toti» Sichtschütz chli weniger streng, will si nöd breiter wachsed und kein Wasser oder Nährstoff us em Bode ziehnd. Aber au da gilt: Ab ere gwüsse Höchi (oft 1.80m oder 2.00m) bruucht mer oft e Baubewilligung und mues grösseri Abständ iihalte.
Was machi, wenn de Nachber seit, de Bode sigi bi ihm tüüfer und drum dörf d’Hecke höcher sii?
Das isch e komplizti Situation bi Hanglage. Grundsätzlich wird d’Höchi vo de Hecke relativ zum gwachsene Terrain am Standort vo de Pflanze gmässe. Wenn de Nachber also «une» am Hang wohnt und sini Hecke 2 Meter höch isch, dänn wirkt si vo «obe» (vo dir uus gseh) villicht nur 1 Meter höch. Das muesch du akzeptiere. Anders isch es, wenn er de Bode künstlich ufgfüllt hät, um d’Hecke höcher z’setze – dänn gilt s’ursprüngliche Terrain als Messpunkt.
Giltet das Heckerecht au für Bambus?
Ja. Bambus giltet rechtlich als Zierstrauch oder Hecke (je nach Art vo de Pflanzig). Bsunders bi Bambus isch Vorsicht gebote wege de Wurzelausläufer (Rhizome). Wenn die zum Nachber wachsed und dert Schäde aariichtet, haftisch du defür. Abständ und Höche sind die gliche wie bi andere Strücher.
Min Nachber hät giftigi Pflanze (z.B. Eibe) a de Grenze. Mues er die wegneh wege mine Chind?
Im Privatrecht git es kei gsetzlichs Verbot vo giftige Pflanze im Garte. Solang de Nachber d’Abständ und Höchevorschrifte iihelt, dörf er Eibe oder Thuja pflanze. Du als Eltereteil bisch defür verantwortlich, dini Chind z’beufsichtige und ihne biizbringe, nüt us em fremde Garte z’esse. Nur wenn d’Pflanze extrem überhänged, hettisch du en Handhabe über s’Kapprecht.
Schritte zur Lösig: Wie mer en Striit vermiidet oder schlichtet
Bevor mer mit Paragraphe um sich wirft, isch de ersti Schritt immer s’persönliche Gspräch. Vili Nachbere sind sich gar nöd bewusst, dass ihri Hecke stört oder dass si gsetzlichi Abständ verletzt. En fründliche Hiwiis bi eme Glas Wii oder eme Bier im Garte wirkt oft Wunder. Nimm am beschte e fläschi mit, nöd s’Gsetzbuech.
Wenn das nüt nützt, isch de nächsti formali Schritt en iigschribene Brief. Darin söttisch du d’Situation sachlich schildere, uf d’konkrete Gsetzesartikel vo dim Kanton verwiise und e realistischi Frist (z.B. bis zum nöchste Schnittziitpunkt im Herbst oder Winter) setze. Wichtig: Hecke sött mer us Naturschutzgründ nöd i de Brutziit vo de Vögel (März bis September) radikal chürze, usser es isch e dringendi Gfahr.
Sollte au de Brief ignoriert werde, füehrt de Weg zum Friedensrichter oder zur Schlichtungsbehörde. Das isch i de Schwiiz obligatorisch, bevor mer ans Gericht gaht. De Friedensrichter versuecht, e Einigung z’finde, ohni dass es zum Tüüre Prozess chunnt. Das isch oft günstiger und nerveschonender als jede aawaltliche Striit.
Zum Schluss no en Gedanke für alli, wo sälber e Hecke pflanze wänd: Überleg dir guet, wie viel Arbeit du dir und dine Nachchomme ufhalset. E schnellwachsendi Hecke wie Thuja oder Leyland-Zypresse gseht am Aafang toll us, mues aber mindescht eimal, besser zweimal im Jahr gschnitte werde, um nöd uuszufere. Wer das vernchlässigt, hät nach wenige Jahre es Monstrum im Garte, wo nur no mit tüürem Gärtnergrät z’bändige isch. E Mischhecke us iiheimische Strücher wachst langsamer, isch ökologisch wertvoller und bruucht oft weniger Pfleg – und d’Nachbere freued sich über d’Vögel und d’Blüete statt sich über de Schatte z’ärgere.
