Es isch Morge, de Wecker lütet und du fühlsch dich eifach hundeelend. Egal öb es en grippale Infekt isch, en verstauchte Fuess oder e psychischi Belastig, wo dich id Chnie zwingt: Du bisch nöd fähig, go schaffe. De erscht Schritt isch klar – du meldisch dich bim Arbeitgeber ab und gasch zum Dokter für es Arztzügnis. Aber sobald du dihei bisch und de erscht Schlaaf nahgholt häsch, fangt s Chopfkino aa. Dörf ich jetzt no go poschte? Was, wänn mich öpper vom Büro gseht, wänn ich en Spaziergang mache? Und dörf ich am Abig is Kino, wänn ich doch eigentlich „chrank“ bi? Die Unsicherheit isch gross, und niemert wett en Chündigung oder e Verwarnig riskiere, nur will er s schwiizerische Arbeitsrächt nöd genau kennt. Grundsätzlich herrscht oft s Missverständnis, dass „chrankgschriebe sii“ bedütet, dass mer ans Bett gfesslet sii mues. Das stimmt aber nöd. Es git grossi Unterschiid, je nachdem, was für e Chrankheit oder Verletzig du häsch.
De wichtigschti Grundsatz: Die sogenannti Treuepflicht
Bevor mir im Detail aalueged, weli Aktivitäte erlaubt sind und weli nöd, muesch du s wichtigschte Prinzip im schwiizerische Arbeitsrächt verstah: d Treuepflicht vom Arbeitnehmer. Wänn du chrankgschriebe bisch, häsch du d Pflicht, alles z tue, damit du so schnell wie möglich wieder gsund wirsch. Das nennt mer au d „Schadenminderungspflicht“. Im Gegezug heisst das aber au: Du dörfsch nüüt mache, wo d Heilig verzögere chönnt.
Das isch de Massstab für alles. Wänn du en brochene Arm häsch, aber din Job im Büro isch (Tippe isch unmöglich), dänn hindert en Spaziergang im Wald dini Heilig nöd. Wänn du aber wäge ere schwere Grippe mit Fieber dihei bisch, dänn isch de Spaziergang im Rege definitiv kontraproduktiv. Es gaht also immer um d Fraag: Verzögeret mini Handlig d Rückkehr an Arbeitsplatz? Wänn d Antwort „Nei“ isch, dänn isch d Chance gross, dass es erlaubt isch.
Alltagserledigunge: Iichaufe, Huushalt und Apotheke
S Läbe gaht wiiter, au wänn mer chrank isch. De Chüehlschrank füllt sich nöd vo sälber und d Medikament müend i de Apotheke gholt wärde. Grundsätzlich giltet i de Schwiiz Folgendes für alltäglichi Besorgige:
- Läbensmittel iichaufe: Wänn du aleige läbsch und niemert häsch, wo für dich cha go poschte, dörfsch du natürlich s Nötigste go iichaufe. Das sött aber zügig gah und nöd in en mehrstündige Shopping-Trip i de Bahnhofstrass uusarte.
- Apotheke und Dokter: Wäg, wo medizinisch notwendig sind, sind immer erlaubt. Das beinhaltet de Wäg zum Huusarzt, zur Therapie oder i d Apotheke.
- Chinder betreue: Das isch e Grauzone. Wänn du selber höchsch aasteckend bisch, söttisch du de Kontakt zu andere vermiide. Aber wänn du wäge Ruckeweh dihei bisch, dörfsch du dini Chinder natürlich vom Chindsgi abhole, sofern s Hebe und Träge dini Verletzig nöd verschlimmeret.
Freiziitaktivitäte und Sport: Wo sind d Grenze?
Hie wird es meistens chli komplizierter und es chunnt sehr starch uf d Art vo de Chrankheit aa. Mer mues underscheide zwüsche körperliche Gebreste und psychische Erkranchige, wie zum Biispiel eme Burnout oder ere Depression.
Bi körperliche Beschwerde
Wänn du e Grippe oder en Mage-Darm-Infekt häsch, ghörsch du is Bett. Sport oder Uusgang sind tabu. Wer mit Fieber im Fitnesscenter gseh wird, riskiert e fristlosi Chündigung wäge Verletzig vo de Treuepflicht. Anders gseht es uus bi Verletzige am Bewegigsapparat. Mit eme verstauchte Handglenk chasch du nöd als Coiffeur schaffe, aber du chasch theoretisch go jogge, wänn de Dokter säit, dass d Erschütterige em Handglenk nüt mached.
Bi psychische Erkranchige
Bi Diagnose wie Burnout, Depressione oder Erschöpfigszueständ gseht d Situation ganz anders uus. Do verordnet de Dokter oft sogar Aktivitäte, wo d Psyche ufheitere. Das cha sii:
- Langi Spaziergäng a de frische Luft.
- Treffe mit Kollege zum Kafi trinke (soziali Isolation isch oft schädlich).
- Sportlichi Betätigung zum Stress abbaue.
- Sogar en Uusflug i d Berge cha förderlich sii.
Wichtig isch i so Fäll: Hol der d Bestätigung vom Dokter. Wänn dich din Chef im Restaurant gseht und du wäge „psychische Problem“ chrankgschriebe bisch, gseht das erst mal komisch uus. Wänn du aber säge chasch: „Min Arzt hät mir empfohle, wieder under Lüüt z gah“, dänn bisch du uf de sichere Siite.
Dörf ich i d Ferie oder ins Usland gah?
Das isch eini vo de hüüfigschte Fraage. Grundsätzlich bedütet Arbeitsunfähigkeit nöd automatisch Reiseunfähigkeit. Aber Vorsicht: Wer chrankgschriebe isch, bezieht Lohnfortzahlig oder Taggelder vo de Versicherig. D Versicherige sind sehr streng, wänn es um Ufenthalt im Usland gaht.
Wänn du wetsch verreise, obwohl du chrankgschriebe bisch, muesch du zwingend zwei Ding beachte:
- S Arztzügnis: Du bruuchsch e schriftlichi Bestätigung vo dim Dokter, dass d Reis dini Genesung nöd beeinträchtiget. Bi gwüsse Lungenchrankeite cha Meeresluft guet sii, bi Burnout cha Ruhe i de Berge hälfe.
- D Bewilligung vo de Taggeldversicherig: Wänn din Lohn über e Chranketaggeldversicherig (KTG) zahlt wird, muesch du dört aafrage. Ohni deren ihris „Okay“ chönnted d Zahlige iigstellt wärde, wänn du s Land verlahsch.
Näbetjobs und Schwarzarbet
Da isch d Lag eidütig und sehr streng. Wänn du bi dim Hauptarbeitgeber chrankgschriebe bisch, dörfsch du keinere andere bezahlte Arbet nahgah. Das giltet als schweri Treuepflichtverletzig. Uusnahme git es nur i extrem seltene Fäll, wänn d Tätigkeite komplett unterschiedlich sind. Biispiel: Du bisch en Bauarbeiter und häsch en brochene Fuess, chasch also nöd uf de Baustell schaffe. Am Abig machsch du aber en Online-Sprachkurs als Lehrer vo dihei aus (im Sitze). Das könnti theoretisch gah, aber es isch es grosses Risiko. I 99% vo de Fäll giltet: Wer chrank isch, schafft nöd – und zwar nienet.
D Chündigung während de Chrankheit
Vili Arbeitnehmer händ Angst, dass sie gchündget wärded, wänn sie länger chrank sind. I de Schwiiz git es zum Glück de ziitlichi Chündigungsschutz gmäss Artikel 336c OR (Obligationenrecht). Das heisst, de Arbeitgeber dörf dir nöd chünde, solang du chrank bisch, aber nur für e gwüssi Ziit (Sperrfrist). Die Sperrfrist hanget vo dine Dienstjahre ab:
- Im 1. Dienstjahr: 30 Täg Schutz.
- Vom 2. bis zum 5. Dienstjahr: 90 Täg Schutz.
- Ab em 6. Dienstjahr: 180 Täg Schutz.
Wichtig z wüsse: E Chündigung, wo während dere Sperrfrist usgsproche wird, isch nichtig. Sie giltet eifach nöd. Mer mues si also gar nöd aafächte, si exischtiert rächtlich nöd. Wänn d Chündigung aber vor de Chrankheit usgsproche worde isch, dänn wird d Chündigungsfrist underbroche und lauft erst wiiter, wänn du wieder gsund bisch oder d Sperrfrist abglaufe isch.
Häufigi Frage (FAQ) – Churz und bündig
Mues ich em Chef säge, was ich genau han?
Nei. D Diagnose gaht de Arbeitgeber nüt aa. Uf em Arztzügnis staht nur, dass du chrank bisch, wie lang es voraussichtlich gaht und zu wie vill Prozent du arbeitsunfähig bisch. Was du genau häsch, fallt unter s Arztgeheimnis. Es cha aber bi längerem Usfall hilfriich sii, s Gspräch z sueche, um Lösige für d Rückkehr z finde.
Dörf mich de Chef kontrolliere?
Ja, de Arbeitgeber hät s Rächt, dich zumene Vertrauensarzt z schicke, wänn er d Arbeitsunfähigkeit aazwiiflet. D Chöschte defür mues de Arbeitgeber träge. De Vertrauensarzt darfs em Chef aber au nöd säge, was du häsch, sondern nur bestätige, öb du würkli arbeitsunfähig bisch oder nöd.
Dörf ich ins Kino oder is Konzert?
Bi Liebes-chummer oder Burnout isch das oft okay (Ablenkig). Bi Grippe, Migräne oder starche Schmerze isch es unglaubwürdig und sött vermiede wärde. Wänn Liecht und Lärm d Situation verschlimmeret, muesch du dihei bliibe.
Mues ich dihei erreichbar sii (Telefon/Mail)?
Grundsätzlich nei. Wer chrank isch, mues nöd schaffe. Du muesch nöd emal dini Mails checke. Uusnahme gits nur i absoluten Notfäll, wo de Betrieb sust stillstah würd und nur du d Information häsch (z.B. es Passwort), aber das sind absoluti Uusnahmefäll.
Was passiert, wänn ich i de Ferie chrank wirde?
Wänn du i de Ferie so chrank wirsch, dass du dich nöd erhole chasch (z.B. Betthüete statt Strand), dänn zellted die Täg nöd als Ferie. Du muesch aber sofort en Arzt vor Ort ufsueche und dir es Zügnis hole. Die Ferietäg chasch du dänn spöter nahhole.
Offeni Kommunikation als Schlüssel zur Lösig
Am Ändi vom Tag isch s Arbeitsrächt zwar wichtig, aber de gsunde Mönscheverstand isch mindestens genau so entscheidend. Wänn du weisch, dass du für längeri Ziit usfalle wirsch oder wänn du e Chrankheit häsch, wo mer vousse nöd sofort gseht (wie Ruckeweh oder psychischi Problem), dänn lohnt es sich oft, proaktiv mit em Chef z kommuniziere. Du muesch nödjedes medizinischi Detail verrate, aber z säge: „Ich ha Ruckeproblem, de Arzt hät mir Bewegung verschriebe, drum gseht mer mich ab und zue dusse“, nimmt vill Wind us de Segel.
Missverständnis entstönd meistens dänn, wänn öpper sich dihei verchraucht, nüt seid und dänn plötzlich bim Iichaufe oder Spaziere gseh wird. Transparenz schafft Vertraue. Solang du dich a d Regle haltisch und dini Genesig im Fokus staht, häsch du vom Gsetz her gueti Charte und dörfsch d Ziit nutze, um wieder voll chräftig z wärde.
